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Wellmich, St. Martin

Wellmich, St. Martin
Wellmich, St. Martin
© Dietmar Fischenich
© Dietmar Fischenich
© Dietmar Fischenich

Wellmich ist heute ein Ortsteil der Loreleystadt St. Goarshausen. An einem engen Bachtal gelegen sind die Häuser der Ortschaft umgeben von Wald und Weinbergen. Darüber erhebt sich die Höhenburg Maus auf 197 Höhenmetern, die aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammt und in Privatbesitz ist.

Der Ort Wellmich wurde als Wallmichi zum ersten Mal 1042 vor über 970 Jahren erwähnt. Damals hat ein Pfarrer mit dem Namen Adelger von Kaiser Heinrich dem Zweiten, das Land als Herrenhof geschenkt bekommen. Im Lauf von einigen Hundert Jahren entwickelte sich eine richtige Stadt mit Burg, Stadtmauer und Kirche.

Der Bau der Kirche St. Martin begann Mitte des 14. Jh, also etwa nach 1350. 1656 taucht die Martinskirche von Wellmich in einem Schriftstück auf, auf einer ihrer Glocken von 1515 steht ihr Name.

Vor Neugründung der Pfarrei Heilige Elisabeth war St. Martin in Wellmich eine kleine, aber dennoch eigenständige Pfarrei des Bistums Limburg - sicherlich eine der Ältestesten Pfarreien am Mittelrhein.

Der Rheinabwärts gelegene Ort Ehrenthal gehörte mit seiner Kapelle St. Sebastian dazu.

© D. Fischenich
© D. Fischenich

Der südliche Seitenchor, die heutige Marienkapelle, ist Rest oder Teil einer wohl nur kleinen Anlage aus der Zeit um 1300. Die heutige Kirche mit dem ausgeprägten Wehrturm wurde im 3. Viertel des 14. Jahrhunderts errichtet. In der Barockzeit, wohl in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wurde der Seitenchor bis in die Höhe von Schiff und Hauptchor aufgestockt und ein einheitlicher Dachstuhl aufgesetzt. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts trug der Turm an seinen Ecken vier Erkertürmchen; sie verschwanden mit der Errichtung des heutigen Turmhelms um 1840. Ende des 19. Jahrhunderts kamen die Sakristei und 1914-15 eine westliche Verlängerung des Schiffes hinzu.

Die Fresken der Nordwand:

1906 wurde ein großer gotischer Wandgemäldezyklus entdeckt, der aber erst in den Jahren 1947/48 freigelegt und restauriert wurde. Er dürfte bald nach der Erbauung von Schiff und Hauptchor entstanden sein (um 1380-90).In zwei Streifen von jeweils 2 m Höhe und ca. 10 m Länge sind unten das Jüngste Gericht, darüber die Kreuzigung und das Martyrium der 12 Apostel in Einzelszenen dargestellt.

An der Chornordwand befinden sich fünf große gerahmte Bildfelder, davon drei noch mit Figuren, deren Originalzustand bei der Restaurierung besser gewahrt wurde. Dargestellt sind die Heimsuchung, Maria Magdalena und Johannes der Täufer.

© Dietmar Fischenich
© Dietmar Fischenich
Martin, Religion, art
© Dietmar FischenichHolzskultpur des Heiligen Martin zu Pferde ländliche Arbeit aus der Mitte des 15. Jh.

Maria

Diese Figur ist ein frühes Beispiel für den Typ des Vesperbildes. Marias Körper ist schmal und hoch aufgerichtet, mit langem Oberkörper, der große Kopf ist nur leicht geneigt. Die Jesusfigur ist kindhaft klein. Der dadurch beinahe anrührende Eindruck wird aber jäh durch die in Leichenstarre ausgestreckten Arme durchbrochen, die auch dazu dienen, wie Wundmale besonders zu präsentieren. Zeichen des Leidens gibt es sonst wenig, das Gesicht Christi ist unbewegt und auch das Mariens zeigt wenig Regung auch wenn über ihre Wangen plastisch modellierte Tränen rinnen. Es ist lieblich und Mädchenhaft, die Haare unter dem Kopftuch sind in Wellen gelegt. Insgesamt wirkt Maria fein und höfisch, der Saum ihres Mantels ist mit einer aufmodellierten Bordüre verziert, auf der Edelsteine zu erkennen sind, die in der ursprünglichen Fassung sicher bunt hervorgehoben waren. An der Schließe fehlt ein eigesetzter Stein, der aus Glas oder auch echt gewesen sein mag.

Der Typ der Pietà mit dem Kindhaft verkleinerten Christus kam wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts auf. Da gerade bei diesem Typ oft auch der Kopf der Muttergottes vergrößert ist, liegt es nahe, dass der Betrachter sich auf sie konzentrieren sollte und der tote Sohn eher die Funktion eines Attributes hatte.

Martin

Hier handelt es sich um eine ländliche Arbeit aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Viele die die Statue betrachten meinen, dass das Pferd lachen würde. 

Neben der Kirche befindet sich das Pfarrheim von Wellmich, 1981 errichtet. Die Räumlichkeiten werden von der Kirchengemeinde genutzt, sind aber auch für private oder öffentliche Zwecke zu mieten. Ein großer Raum im Obergeschoss bietet Platz für 70 Personen, daneben befindet sich eine voll eingerichtete Küche. Weitere Räume sind ein kleiner Gruppenraum im Obergeschoss und zwei kleinere Räume im Untergeschoss, die über eine Wendeltreppe (ggfs. auch über einen kleinen Zugang im Außenbereich) erreicht werden können. Da Kirche und Pfarrhaus sich in Hanglage befinden, ist der Zugang für Rollstuhlfahrer nicht geeignet.

Vermietungen geschehen über das zentrale Pfarrbüro 06773 91512-0

© Dietmar Fischenich
© Dietmar Fischenich

Der Rheinabwärts gelegene Ort Ehrenthal gehörte mit seiner Kapelle St. Sebastian dazu. In direktem Anbau zu der kleinen Kirche gibt es ein Gebäude (vormals ein Kloster), in dem verschiedenste Gastronomien untergebracht waren. Noch heute kursiert auf allen Touristenschiffen auf dem Rhein die Mär, es gäbe eine Türe zwischen Schenke und Kirche, damit die Mönche direkt von der Messe zum Trinken gelangen könnten. Diese Anekdote ist zwar einprägsam, entspringt aber der Phantasie.

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