Der südliche Seitenchor, die heutige Marienkapelle, ist Rest oder Teil einer wohl nur kleinen Anlage aus der Zeit um 1300. Die heutige Kirche mit dem ausgeprägten Wehrturm wurde im 3. Viertel des 14. Jahrhunderts errichtet. In der Barockzeit, wohl in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wurde der Seitenchor bis in die Höhe von Schiff und Hauptchor aufgestockt und ein einheitlicher Dachstuhl aufgesetzt. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts trug der Turm an seinen Ecken vier Erkertürmchen; sie verschwanden mit der Errichtung des heutigen Turmhelms um 1840. Ende des 19. Jahrhunderts kamen die Sakristei und 1914-15 eine westliche Verlängerung des Schiffes hinzu.

Die Fresken der Nordwand:

1906 wurde ein großer gotischer Wandgemäldezyklus entdeckt, der aber erst in den Jahren 1947/48 freigelegt und restauriert wurde. Er dürfte bald nach der Erbauung von Schiff und Hauptchor entstanden sein (um 1380-90).In zwei Streifen von jeweils 2 m Höhe und ca. 10 m Länge sind unten das Jüngste Gericht, darüber die Kreuzigung und das Martyrium der 12 Apostel in Einzelszenen dargestellt.

An der Chornordwand befinden sich fünf große gerahmte Bildfelder, davon drei noch mit Figuren, deren Originalzustand bei der Restaurierung besser gewahrt wurde. Dargestellt sind die Heimsuchung, Maria Magdalena und Johannes der Täufer.

 

Statue der hl. Maria:

Diese Figur ist ein frühes Beispiel für den Typ des Vesperbildes. Marias Körper ist schmal und hoch aufgerichtet, mit langem Oberkörper, der große Kopf ist nur leicht geneigt. Die Jesusfigur ist kindhaft klein. Der dadurch beinahe anrührende Eindruck wird aber jäh durch die in Leichenstarre ausgestreckten Arme durchbrochen, die auch dazu dienen, wie Wundmale besonders zu präsentieren. Zeichen des Leidens gibt es sonst wenig, das Gesicht Christi ist unbewegt und auch das Mariens zeigt wenig Regung auch wenn über ihre Wangen plastisch modellierte Tränen rinnen. Es ist lieblich und Mädchenhaft, die Haare unter dem Kopftuch sind in Wellen gelegt. Insgesamt wirkt Maria fein und höfisch, der Saum ihres Mantels ist mit einer aufmodellierten Bordüre verziert, auf der Edelsteine zu erkennen sind, die in der ursprünglichen Fassung sicher bunt hervorgehoben waren. An der Schließe fehlt ein eigesetzter Stein, der aus Glas oder auch echt gewesen sein mag.

Der Typ der Pietà mit dem Kindhaft verkleinerten Christus kam wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts auf. Da gerade bei diesem Typ oft auch der Kopf der Muttergottes vergrößert ist, liegt es nahe, dass der Betrachter sich auf sie konzentrieren sollte und der tote Sohn eher die Funktion eines Attributes hatte.

Mittelrhein, 2. Hälfte 14. Jh.

Lindenholz, neuere Farbfassung und Vergoldung.

H 100 cm B 64 cm T 27 cm

Pfarrkirche St. Martin, Wellmich

Holzskulptur des hl. Martin zu Pferde:

Hier handelt es sich um eine ländliche Arbeit aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.